blogage.de > Frau Hase > Neues ausse Lähranstallt > Eintrag > 06. November 2007 > Sexueller Übergriff oder mobbing
  Anmelden | Login

Unser heutiger Elternsprechtag wurde von einem „furiosen“ Auftritt geprägt.

Zur bestbesuchten Zeit gegen 18 Uhr fliegt die Mutter einer meiner Schülerinnen ins Büro der Schulleitung ein. Herr X belästige bereits seit einiger Zeit ihre Tochter im Sportunterricht, indem er ihr auf Gesäß und Brüste starre. Ihre Tochter weigere sich, weiter am Unterricht teilzunehmen. Sie verlange ein sofortiges Einschreiten und rechtliche Konsequenzen.

Der Bitte unserer Schulleiterin, diese Vorwürfe doch zunächst mit dem betroffenen Kollegen zu erörtern, folgt sie unverzüglich, indem sie diesen in seinem Klassenraum aufsucht. Hier kommt es zu einer lautstarken Auseinandersetzung, in der Kollege X wenig taktisch fragt, wohin er beim anzüglichen Outfit der Mädchen denn sonst schauen solle. Frau D. sieht hierin ihre Vorwürfe bestätigt und droht - zurück im Büro der Schulleitung - mit sofortiger Anzeige.

Ein herbeigerufener Kollege – seinerzeit Klassenlehrer der Mutter – kann die Situation soweit entschärfen, dass ein Gesprächstermin mit allen Beteiligten am folgenden Morgen vereinbart werden kann.

Ich – außer Hörweite im 2. Stock des Hauptgebäudes im Elterngespräch - erfahre von diesem Vorfall durch unseren Schulsozialarbeiter, der sich unverzüglich daran macht, die Hintergründe zu recherchieren.

Fakt ist

- in unserem round-table-Gespräch am vergangenen Montag wurden ähnliche Vorwürfe auch von anderen Schülern erhoben,
- meine Schülerinnen sitzen mittlerweile mehrheitlich während des Sportunterrichts auf der Bank, weil sie „ihre Sportsachen vergessen“ haben oder aus anderen Gründen unpässlich sind,
- die Fehlquote der Mädchen ist montags – wenn Sport auf dem Stundenplan steht – signifikant höher als an anderen Tagen,
- eine weitere Mutter berichtet, ohne von dem Vorfall zu wissen, ihre Tochter weigere sich, sich für den Sportunterricht umzuziehen, da Kollege X mehrfach im Umkleideraum der Mädchen aufgetaucht sei.

Tatsache ist aber auch, dass

- zwischen Herrn X und meiner Klasse bereits seit dem letzten Schuljahr offener Krieg herrscht,
- unsere Schülerinnen sich begeistert in Geschichten hineinsteigern (siehe Massenhysterie zu Halloween wegen vagabundierender Geister im Schulgebäude),
- sich schwer nachweisen lässt, ob Herr X lüstern gafft oder lediglich seiner Aufsichtspflicht nachkommt,
- Herr X’s Aussage im Zweifelsfall gegen die von 24 Halbwüchsigen steht, die – solange sie zusammen halten – behaupten können, was sie wollen.

Meiner Meinung nach wäre die verfahrene Situation am einfachsten durch einen Lehrerwechsel zu lösen. Die Frage ist nur, ob Schüler und Eltern dies als Schuldgeständnis werten würden, ob ein Kollege oder eine Kollegin zum Tausch bereit ist, ob der Stundenplan einen Tausch zulässt …

Falls es sich um einen Fall von mobbing handelt, sollten die Schüler nicht durch einen Erfolg in ihrem Verhalten bestätigt werden.

Müssen die Mädchen lernen, wohlwollende männliche Blicke nicht als Belästigung, sondern als Kompliment zu interpretieren?

Wie sieht ein Blick aus, der sexuell belästigt?

Wie kann sich ein Lehrer gegen zweifelhafte Vorwürfe zur Wehr setzen? Muss er seine Unschuld beweisen?

Um 21 Uhr bin ich endlich zu Hause. Es war ein langer Tag ...

siehe auch:
http://www.ag.ch/gewaltpraevention/de/pub/orientierungshilfen...
http://lbsneu.schule-bw.de/unterricht/paedagogik/gewaltpraeve...